Vorkeimen: Wie man Samen zum Keimen bringt

Written by Ernte-Admin

Wenn du deine Pflanzen selber aussäst und groß ziehst, hast du vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass manche Samen einfach nicht so recht keimen wollen. Vorkeimen kann da weiter helfen.  Bei diesem Prozess ist  es einfacher, optimale Bedingen für die Saat zu schaffen und das Keimen somit zu erleichtern. Besonders Sellerie oder Petersilie sind zum Beispiel wahre Mimosen und profitieren vom Vorkeimen. Aber auch bei Tomaten, Chili, Paprika und Auberginen lohnt sich die kurze Prozedur.

Wie genau ein Samen vorgekeimt wird hängt von der Art des Samens, den Keim-Bedingungen und der Anzahl der Saatkörner ab. Samen brauchen je nach Sorte ganz unterschiedliche Bedingungen zum keimen. In unserem Artikel „Die 8 besten Aussaat-Tipps“ gehen wir schon kurz darauf ein: Wichtig sind Temperatur, Feuchtigkeit und Pflanztiefe. Die Pflanztiefe kannst du solange ignorieren bis der Samen gekeimt ist. Auch Licht spielt spielt noch keine Rolle. Deinem Samenkorn ist das Lichtverhältnis egal, solange noch kein Keimling „geschlüpft“, der den Unterschied zwischen hell und dunkel wahrnehmen könnte.

Wann lohnt es sich Samen vorzukeimen? 

Es gibt verschiedene Gründe um auf die Prozedur des Vorkeimens zurück zu greifen. Mal aus Zeitgründen. Mal um besonders sparsam mit seltenem Saatgut umzugehen. Oder weil der Samen ohne eine gewisse Vorbereitung gar nicht keimen würde. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du deine Samen für guten Saaterfolg lieber vorkeimen solltest, dann schau dir unseren Artikel an: „Wann es sich lohnt, Samen vorzukeimen“.

So oder so ist das Vorkeimen um einiges schneller als normales Säen. Da beim Vorkeimen alle Keimbedingen leichter erfüllbar sind, ist die Keimphase kürzer. Besonders die Idealtemperatur zum Keimen ist wichtig spart oft ein paar Wochen warten. Schon wenn der Samen nur zwei oder drei Grad kühler liegt als die Ideal-Temperatur es vorschreibt, verzögert sich das Keimen um Tage.

Ganz eilige Gärtner können die Samen auch vorher noch zusätzlich bearbeiten. Bei Samen wie Zucchini oder Kürbis wurde diese Methode zuletzt auf US-amerikansichen Foren sehr gelobt. 

Wie Samen vorgekeimt werden:

Die gute Nachricht ist: man kann die Saat-Tiefe erst einmal ignorieren. Dafür muss man peinlich genau auf ständige Feuchtigkeit  die Einhaltung der Keimtemperatur achten. 

Grundsätzlich gilt also: Feuchtigkeit und Temperatur sind das Wichtigste! Ob ein Samen keimt oder nicht hängt davon ab, ob ihm zunächst genügend Wasser zum Quellen zur Verfügung steht. Das Wasser erweckt den Samen quasi wieder zum Leben: Die Zellen saugen sich voll und schwellen an, die aufgeweichte Samenhülle platzt schließlich auf und der Keimling bricht hervor. Sobald die Temperatur des umgebenden Mediums (meist Erde) passende Temperatur erreicht hat, kann der Keimling wachsen. Beide Faktoren sind absolut kritisch: Bleibt es zu lang zu kalt, verfault der aufgeplatze Keimling. Trocknet der Samen nach dem Aufplatzen aus, stirbt auch der Keimling ab.

Vorkeimen eignet sich hervorragend dazu, in dieser kritischen Phase unsere Erfolgschancen zu erhöhen. Die richtige Temperatur zu halten, ist sicher das schwierigste. Zunächst musst du die richtige Temperatur kennen. Bei gekauften Samen ist die ideale Keimtemperatur in den Aussaat-Hinweisen auf der Verpackung zu finden. Wir haben dir außerdem eine Liste mit den idealen Keimtemperaturen von 68 Gemüse- und Kräuter-Sorten zusammengestellt. Die Werte beziehen sich immer auf die Temperatur des den Saat-Mediums, nicht auf die Temperatur der Luft.

Die Idealtemperatur muss nicht genau erreicht werden, allerdings dauert der Prozess dann dementsprechend länger. 2 Grad weniger bedeuten schon eine Verlängerung der Keimzeit von über einer Woche Die Idealtemperatur sollte auch nicht um mehr als 3 bis 4°C überschritten werden, auch das beeinträchtigt die Keimfähig. Du solltest versuchen, die Temperatur gleichmäßig zu halten. Natürlich gibt es spezielle Equipment für dafür wie elektrische Wärmematten oder beheizte Minigewächshäuser. Aber auch mit einfachen Mitteln kann man Samen erfolgreich keimen lassen!

Finde die wärmsten Stellen in deiner Wohnung, ein guter Ort ist oft über dem Kühlschrank, wo die warme Abluft ausgeleitet wird. Diverse Lampen erzeugen ebenso eine spürbare Wärme, wenn man die Hand nah an die Glühbirne bewegt. Wenn es dir nichts ausmacht, die Lampe 1, 2 Tage brennen zu lassen, kannst du die Samen so gut aufwärmen. Achtung! Achte darauf, dass es nicht zu heiß wird und die Samen nicht absterben. Noch wichtiger: Brandgefahr auf jeden Fall vermeiden!

Kältebrücken sollten ebenfalls nicht unterschätzt werden. Fensterbretter aus Naturstein zum Beispiel sind oft solche Kältebrücken, selbst, wenn sie über einer Heizung angebracht sind. Teste einfach, in dem du deine Hand auflegst. Jeder Ort, der sich leicht warm anfühlt, aber nicht heiß ist im Zweifelsfall gut genug.

3 Methoden zum Vorkeimen:

Im Anschluss haben wir 3 Methoden zusammengestellt, wie das Vorkeimen erfolgreich vonstatten gehen kann. Wir erklären, wann welche Methode anzuwenden ist, was du brauchst und wie du vorzugehen hast. Für alle Methoden gilt: Halte dich an die empfohlene Keimtemperatur!

Methode 1: Vorkeimen im Wasserglas

  • Eignet sich für großes Saatgut wie Bohnen und Erbsen, die viel Zeit zum Quellen brauchen. 
  • Du benötigst einen Behälter mit Deckel, zum Beispiel ein Schraubglas.

Fülle den Behälter halbhoch mit dem Saatgut und anschließend bis zum Rand mit warmem (nicht heißem!) Wasser. Lasse das Gefäß mit aufgelegtem Deckel an einem warmen Ort stehen, mindestens über Nacht.

Je größer das Saatkorn ist, desto länger dauert der Prozess. Du solltest das Wasser alle 12 Stunden ersetzen und das Saatgut kontrollieren. Wenn  die Samenhülle aufgeplatzt ist und eine kleine Wurzel gewachsen ist, kannst du die Samen auspflanzen. Rechts siehst du ein gutes Beispiel für fertig gekeimte grüne Bohnen. Diese sollten auf keinen Fall länger im Wasser bleiben.

Vorsicht bei Samen der Kürbis- und Gurken-Familie. Diese Samen sind zwar groß, sollten aber nicht länger als 24h eingeweicht werden. Auch, wenn keine Keimlinge zu diesem Zeitpunkt zu sehen sind, müssen die Samen dann entweder in das Anzuchtmedium gepflanzt werden oder man macht mit Methode 2 weiter.

Methode 2: Vorkeimen im Papiertuch

  • Eignet sich für alle Samen. Bei sehr kleinen Streusamen wird allerdings das Aussäen nach dem Keimen sehr schwierig und ist somit nicht empfehlenswert.
  • Du brauchst stabile, saugstarke Papier-Tücher, zum Beispiel Küchenpapier, und eine Plastiktüte.

Feuchte das Papier an, sodass es vollgesogen, aber nicht tropfnass ist. Breite die Samen flach darauf aus. am besten, ohne dass sie einander berühren. Bedecke alles mit einem weiteren feuchten Tuch und drücke es leicht an. Lege das Papier in die Plastiktüte und verschließe sie leicht. Alles kann dann an einem warmen Ort bleiben.

Nach 2 Tagen solltest du einen Blick hinein werfen und die Tüte für eine Weile offen lassen, damit Luft zirkulieren kann. Gegebenfalls musst du danach wieder etwas mehr befeuchten. Von da an solltest du diesen Vorgang täglich wiederholen, bis die Samen gekeimt sind.

Methode 3: Vorkeimen im Gel

  • Eignet sich für kleine Samen und Streusamen, zum Beispiel Karotten/Möhren.
  • Du brauchst ein abdeckbares Gefäß und Speise-Stärke. Miss ab, wie viele Löffel Samen du keimen willst und nutze die gleiche Menge an Speise-Stärke.
  • Achtung: Diese Methode ist anfällig für Schimmelbildung während des Vorkeimens und nach der Aussaat. 

Gib die benötigte Speise-Stärke in ein abdeckbares Gefäß und füge langsam und schlückchenweise Wasser hinzu. Verrühre beide Zutaten, bis die Konsistenz cremigem Joghurt entspricht. Dann kannst du die Samen einrühren. Platziere das Gefäß abgedeckt an einem warmen Ort und überprüfe 2 mal täglich, ob die Masse noch feucht genug ist. Bei dieser Gelegenheit solltest du jedes mal vorsichtig umrühren. 

Wenn die Samen keimen, kannst du die Masse auf die Konsistenz von Milch verdünnen. Diese Flüssigkeit gießt du dann in die Aussaat-Rillen (zum Beispiel bei Karotten oder Salat), die du in die Erde gezogen hast. Du solltest die Flüssigkeit innerhalb weniger Stunden verbrauchen und bei Gebrauch immer gut umrühren, damit die Samen gleichmäßig verteilt werden.

Natürlich gibt es auch Gels für diese Zwecke zu kaufen. Aber: Selbst ist der Gärtner!

Abschließend:

Samen werden nur so lange vorgekeimt, bis die Samenhülle durchbrochen ist und ein kleiner weißer Keim zu sehen ist. Weiter sollte man mit dem Einsetzen in die Erde oder das Aufzuchtmedium nie warten, damit der Keimling seine erste Wurzel direkt dort versenken kann, wo sie auch den Sämling mit Wasser und Nährstoffen versorgen soll.

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