Anzuchterde sterilisieren

Written by Ernte-Admin

Eine reiche Ernte beginnt mit einer erfolgreichen Aussaat. Und was die Aussaat von Pflanzen in Töpfen oder anderen Aussaat-Gefäßen angeht, gibt es viel mehr zu beachten, als man glauben mag. Dass man zum Beispiel teure und hochwertige Aussaat-Erde oder Anzuchterde kaufen kann ist kein Geheimnis. Dennoch tun das die wenigsten. Auch das allein wäre noch kein Problem, wenn man zur Anzucht seiner Pflanzen stattdessen eine nährstoffarme Erde hernimmt und diese sterilisiert, bevor man sie verwendet. Doch dieser Rat ist eine jener Garten-Weisheiten, die gern ignoriert werden. Warum ist das so?

“Nun in der Natur wachsen die Samen auch, selbstverständlich ohne spezielle Erde. Und wenn ich im Garten ein Beet anlege, wird ebenfalls niemand erwarten, dass ich die Erde dort sterilisiere oder austausche, ganz im Gegenteil. Das gesunde System von lebendingen Mikroorganismen und Bodenlebewesen trägt entscheidend zu meinem Ernte-Erfolg bei. Warum also sollte ich bei der Aussaat meiner Samen im Zimmer etwas anderes nehmen als Garten-Erde oder eben preiswerte Erde aus dem Supermarkt? Die Pflanzen werden doch sowieso nach wenigen Wochen ausgepflanzt.”

Auch hier gilt: “Versuch macht klug” und jeder Gärtner, dessen Sämlinge schon einmal von wuchsfreudigem Schimmel oder eine Masse an hungrigen Schädlingen vernichtet wurde, wird von da an mit Freude seine Aussaat-Erde sterilisieren oder auf hochwertige Anzuchterde aus dem Fachhandel zurückgreifen.

Warum man Erde sterilisieren sollte

Auch wir mussten lernen, dass es keine gute Idee ist, einfach Erde aus dem Garten oder dem Supermarkt zu nehmen. Es hat Wochen gedauert, die Trauermücken-Invasion in der Wohnung einzudämmen und all unsere Sämlinge sind durch den Wurzelfras der Mückenlarven eingegangen. Im Garten-Beet machen ein paar Trauermücken nichts aus: im Gegenteil! Die Tiere sind sogar nützlich. Ihre Larven fressen totes Laub und andere abgestorbenen Pflanzenteile, die auf die Erde fallen und scheiden eine Art Kompost aus. So werden die Nährstoffe aus dem toten Material für unsere Nutzpflanzen verfügbar gemacht. Doch jeder Nützling wird zum Schädling wenn er sich ungehindert ausbreitet und das Gleichgewicht in seinem Lebensraum durcheinander gerät.

Wenn du Erde aus dem Garten oder billige und darum oft schlecht gelagerte Erde aus fragwürdigen Quellen nutzt, um deine Anzucht-Töpfe zu füllen, kann es sein, dass du dir damit ein ganzes Gelege an Schädlingen in die Wohnung oder das Gewächshaus holst. 100 Trauermücken, Blattläuse oder Spinnmilben, die im Garten schlüpfen, sind grundsätzlich kein Problem. Sie haben Fressfeinde, viel Platz und ausreichend Nahrung. Sie verteilen sich und werden im Idealfall nicht zur Plage sondern nehmen ihre gegebene Rolle im Ökosystem ein.

Bei der Aussaat im Zimmer sieht die Situation aber ganz ander aus: Auf der Fensterbrett oder im Gewächshaus gibt es aber keine Fressfeinde. Es gibt keine Konkurrenz und kaum Nahrung, abgesehen von deinen Sämlingen. Du hast ein Habitat geschaffen, dass nicht im Gleichgewicht ist und die eingeschleppten Lebewesen werden deinen Keimlingen gehörig zusetzen.
Hochwertige Aussaaterde oder eben sterilisierte Gartenerde ist hier die Lösung. Deine Sämlinge haben so einen stressfreien Start in ihr Leben und können zu produktiven Pflanzen heranwachsen.

Wie man Erde sterilisiert

Wenn du also billige Erde aus dem Supermarkt, alte Erde vom letzten Jahr oder Gartenerde verwenden willst, dann zeigen wir dir hier, wie du potenzielle Schädlinge und bereits existente Schimmelsporen abtöten kannst.
An billiger Diskounter-Erde ist nichts verkehrt, solange sie nicht gedüngt ist. Samen sollten stets in nährstoffarme Erde gesät werden. So werden Sie dazu animiert, ein gesundes und weitflächiges Wurzelsystem auszubilden.

Erde zu sterilisieren funktioniert am besten mit Hitze. Das kann entweder im Ofen oder noch schneller in der Mirkowelle erreicht werden. Du brauchst dazu nur

– nährstoffarme Erde in ausreichender Menge
– ein ofenfestes Gefäß oder ein Mikrowellen-geeignetes Gefäß
– etwas Wasser

Zunächst solltest du deine Erde gut anfeuchten.Wenn du die Erde zusammendrückst, sollte sie ihre Form behalten aber nicht tropfen. Sowohl im Ofen als auch in der Mikrowelle geht es schneller, wenn du die Erde flach in dem Gefäß oder auf dem Blecht ausbreitest. Dadurch wärmt sie schneller durch.
In der Mirkowelle sollten 5 bis 10 Minuten auf der höchsten Stufe genügen. Bei der Hälfte der Zeit solltest du die Erde mal umrühren.
Im Ofen brauchst du etwas länger. Ein bis zwei Kuchenbleche voll Erde sollten für 20 Minuten bei 200 °C in den vorgeheizten Ofen.
Lass die Erde hinterher komplett auskühlen und feuchte sie erneut an, bevor du sie in die Anzucht-Gefäße gibst.

Es kann gut sein, dass du nach dem Erhitzen einige weiße Partikel oder Würmchen sehen kannst, die du vorher nicht sehen konntest. Das sind Insekten wie Milben oder Larven und Würmer: sie bestehen größtenteils aus Eiweiß, welches in der Hitze denaturiert (gerinnt) und sich dabei weiß verfärbt. Das ein oder andere mal waren wir nach dem sterilisieren der Erde überrascht, wie viele Larven nun zu sehen waren, die vorher wegen ihrer braunen Farbe nicht zu entdecken waren.

Du hast noch Fragen zur Aussaat?

Welche Erde ist die richtige Aussaat-/Anzuchterde? Die Antwort haben wir dir hier zusammengefasst.

Eine allgemeine Übersicht zur Aussaat findest du hier. Ebenfalls nützlich kann unsere Liste mit den idealen Keimbedingungen für 68 Pflanzen sein.

Wenn du auf der suche nach gratis Erde bist, aber keinen Garten hast, haben wir hier ein paar Tipps für dich.

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